Über die Kultschänke "Zur Andau"

Was einmal war...

 

Es ist längst an der Zeit, meine Memoiren niederzuschreiben. Mit über 160 Jahren auf dem Buckel, sind viele meiner Erinnerungen bereits am Verblassen. Auf den ersten Blick mag ich bestimmt wie ein knorriger Kauz wirken, doch kam ich einst als fesches Mainzer Winzermädchen daher.

1844 erblickte ich als Weinstube das Licht der Gaugasse und wurde auf den ungewöhnlichen Namen „Zur Andau“ getauft. Lautet nicht eine lateinische Redensart: nomen est omen? Mein Name ist seit jeher mein unbestrittenes Schicksal, denn er bedeutet Senkloch, Kanalisation, Gully oder umgangssprachlich Wasserabfluss. Du brauchst jetzt gar nicht die Nase zu rümpfen. Schuld an meiner Misere sind die Hessen, denn sie haben die Bezeichnung „Aeduche“ für Kloake 1304 in einer Frankfurter Urkunde verbrieft.

1793 erfolgte eine neunmonatige Besatzung unserer Kurstadt durch französische Truppen. Seitdem wird mein Eigenname im Anlaut nasal ausgesprochen, das „A“ wandelt sich einfach in einen „O“ gefärbten Laut um. Wenn Einheimische mich beim Namen nennen, komme ich mir wie eine schrullige Diva vor.

Kurz nach meinem hundertsten Geburtstag ging es mir an den Kragen. Bei einem Bombenangriff  zerfiel ich prompt in einen Trümmerhaufen, um mich in den Fünfzigern wie Phönix aus der Asche wieder zu erheben – dieses Mal jedoch als zünftige Bierschänke.

 

...was heute ist

 

1977 begann meine Karriere! Seitens der Bitburger Brauerei wurde ich mit Fug und Recht zum Spezialausschank und Vorzeigeobjekt, kurzum zur Herrin über das perlende Eifelbräu erhoben. Der „Bitburger Genießer“ prangt seitdem als symbolträchtiges Markenemblem in den Butzenscheiben und sogar auf den Bitburgergläsern.

Heutzutage genieße ich Kultstatus über die Stadtgrenzen hinaus. Viele Gesichter habe ich kommen und gehen sehen. Unser Alt-Oberbürgermeister Jockel weilte einst bei mir zur feuchtfröhlichen Runde und Maitre Pierre Pfister verdanke ich den überbackenen Bauerntoast, den der Küchenmeister höchstpersönlich im Heißhunger kreierte.

Ansonsten habe ich hausgemachte Gerichte der Kategorie deftig & lecker anzubieten, die hervorragend auf meine süffigen Fassbiere sowie ausgesuchten Weine aus dem Rheingau und Rheinhessen abgestimmt sind.

Bin ich nicht aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt, lieber Gast? Habe ich nicht Patina? Besonders beliebt sind nicht nur das marode Fass im Eingangsbereich, sondern auch der hufeisenförmige Tresen. Meine Theke ist das pulsierende Herz der Kneipe, ein Ort geselliger Runden und Zeuge unvergesslicher Anekdoten, der zum Babbeln und Zechen einlädt.

Wer mich übrigens noch nicht entdeckt hat, dem sei mit auf den Weg gegeben:

 

„Die Andau habt Ihr schnell gefunne, vis-à-vis vom Fassenachtsbrunne !“

 

Neulich in L.A. entdeckt